2046

Sci-Fi-Drama - Hongkong/Deutschland/Frankreich 2004 / 127 Minuten (Prokino / Twentieth Century Fox)

Bundesstart: 13.01.2005

Drehbuch & Regie: Wong Kar-wai
Musik: Peer Raben & Shigeru Umebayashi
Darsteller: Tony Leung Chiu-wai, Gong Li & Takuya Kimura

Irgendwann einmal in seinem Leben erkennt jeder Mensch, wie sehr Sehnsucht nach Vergangenem, unerfüllter Liebe und die Flucht in seine geheimsten Phantasien untrennbar miteinander verschmolzen sind. Diese schmerzliche Erkenntnis ereilt den Schriftsteller Chow fast täglich, ohne dass er nur einen Gedanken daran verschwendet, endlich diesen Sog der Unheilbarkeit zu verlassen.

Chow hat sein derzeitiges Domizil im Jahre 1966 hergerichtet, ein Hotelzimmer. Dieses Hotelzimmer mit der Zimmernummer 2046 sollte gewissermaßen Vergangenheitsbewältigung sein, in Chow´s Fall jedoch ist es festhalten an der Vergangenheit. Um jenes Hotelzimmer herum - ein Hotel, in grünes, gelbes oder manchmal rotes Licht getaucht, erfüllt es hin und wieder auch als Freudenhaus seinen Zweck.

Um seiner Lage Herr zu werden, vertieft er sich in die Schreiberei. Er entwickelt Satz für Satz einen Science-Fiction-Roman, dessen Geschichte sich im Jahre 2046 bewegt, der auf sexueller wie geistiger Ebene überzeugt, aber im Grunde nur das Spiegelbild seiner selbst ist. Seinen wirklichen Durst nach geistiger Verbundenheit, menschlicher Nähe, nackter Haut und Körpersäften stillt er einerseits mit der Prostituierten Bai Ling und auf der anderen mit der noch sehr jungen Tochter des Hoteliers. Tief in ihm, eine Aneinanderkettung von Gefühlen, ein Chaos und immer wieder Sehnsucht nach der Frau seines Lebens, die er nicht vergessen kann. Leider bemerkt er nicht, wie sich eine noch sehr junge Liebe vor ihm entfaltet, diese aber wiederrum durch ihn zur Verdammnis verurteilt ist...

Fazit:
Ein Fazit zu schreiben und die kundige Leserschaft davon zu überzeugen genau in diesen Film zu gehen, ist nicht gerade ein leichtes Unterfangen. Wenn es sich dann auch noch um Filme handelt, welche nicht in zehn Sätzen zu erfassen sind, wird es noch ein klein wenig schwieriger...

Halten wir fest, Regisseur Wong Kar-wai, der mit “Chungking Express“, “Fallen Angel“ oder dem sehr bekannten “In The Mood For Love“ Filme zeigte, welche sehr kompakt waren, geht hier nun einen anderen Weg. Man kann an dieser Stelle jetzt nicht sagen, den Zuschauer erwartet eine vielschichtige Geschichte, sondern vielmehr eine in verschiedenen Ebenen, hervorgerufen durch Blenden in die Vergangenheit und jene erdachte Zukunft des Romans. Es werden fiktive Personen mit realen vermischt, reale Ereignisse der Vergangenheit in der Zukunft platziert und “Was wäre wenn?“- Fragen in beiden vereint. Den Faden verliert man jedoch nicht.

Der eigentliche Kern in “2046“ ist die epochale Bildsprache, gepaart mit einem großartig zyklischen Soundtrack, welcher mich sprachlos werden ließ. Ganz nach dem Motto “In der Ruhe liegt die Kraft“, wird mit Farben gespielt, Opernklänge säuseln durch die Lüfte und die belanglosesten Situationen entwickeln in manchen Einstellungen die zeitlosesten Momente.

Regisseur Wong Kar-wai holte sich die Kameramänner Doyle, Yiu-Fai und Pun-Leung ins Boot. Shigeru Umebayashi und Rainer-Werner Fassbinders Busenfreund Peer Raben, taten ihr übriges und schufen den besagten Soundtrack, welcher jetzt bei “Virgin Music / EMI“ erschienen ist. Heraus kam eine asiatisch-europäische Co-Produktion, die sehr beeindruckt und in Zukunft auf mehr hoffen lässt. Im Wettbewerb von Cannes konnte “2046“ zwar nicht punkten (lag wohl eher daran, dass der Film noch nicht ganz fertiggestellt war) aber allen Genießern von retrofiktiven Cinemascope-Filmen der Marke ArtHaus, sei “2046“ mehr als nur empfohlen.

Krabaz




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