The Messenger

mit Woody Harrelson, Ben Foster, Samantha Morton und Steve Buscemi

Die gesellschaftliche Sprengkraft bezüglich der Legitimation kriegerischer Auseinandersetzungen zeigt Weniges so gut, wie die Frage nach dem Umgang einer Nation mit ihren Soldaten. Viele der beeindruckendsten filmischen Auseinandersetzungen zu diesem Thema stammen bezeichnenderweise aus den USA. Seit dem Vietnamkrieg und dem Aufkommen der öffentlichen Diskussion um die sogenannten “vergessenen Helden“ haben sich große Produktionen wie “Apocalypse Now“ (Francis Ford Coppola), “Full Metal Jacket“ (Stanley Kubrick), “Geboren Am 4. Juli“ (Oliver Stone) oder sogar “Forrest Gump“( Robert Zemeckis) mehr mit der psychischen Konstitution von Soldaten auseinandergesetzt, als mit politischen Hintergründen oder Gewaltdarstellungen. Eines haben diese Filme allerdings gemeinsam: Sie konzentrieren sich auf die Figur des Soldaten im Krieg und weniger auf seinen Hintergrund. Genau das ist jedoch das Anliegen von Drehbuchautor Oren Moverman (“I’m Not There“) mit seinem Regiedebüt “The Messenger“.
Der junge und zugleich in Irak hoch dekorierte Unteroffizier der US Army Sergeant Will Montgomery (Ben Foster) soll die letzten drei Monate seiner Militärzeit an der ‘Heimatfront‘ verbringen. Er wird der Abteilung von Captain Tony Stone (Woody Harrelson) zugeteilt, der dafür verantwortlich ist, den Familien gefallener Soldaten die traurige Botschaft zu überbringen. Dabei hält sich Stone an nur eine Devise: ‘Immer nach Protokoll‘. Will ist der emotionalen Herausforderung nicht gewachsen, unterdrückt aber seine Gefühle, bis er sich in Olivia (Samantha Morton) verliebt, der er die Nachricht über den Tod ihres Mannes überbringen muss. Seine Gewissensbisse, die emotionale Belastung in seinem Dienst und die Erinnerungen an Irak drohen ihn zu verzehren. Doch auch Captain Stone ist nicht so stabil, wie es den Anschein hat …
“The Messenger“ ist vieles, aber vor allem das, was man erwartet: Ein Antikriegsfilm ohne Gewehre und Schüsse, über eigentlich ambitionierte aber gescheiterte Charaktere. Schonungslos konfrontiert Moverman seine Figuren immer wieder mit Schicksalsschlägen, mit eigenen und fremden. Dabei will er allerdings etwas zu viel. Er versucht zum Einen Wills Geschichte und die Gefühle zu Olivia getrennt voneinander zu zeichnen und sich die Beziehung beider Soldaten entwickeln zu lassen. Dabei gibt er sich sehr viel Mühe, Captain Stones Hintergrund so lange wie möglich in Unschärfe zu behalten. Zugleich vernachlässigt er ihn aber nicht und verbindet alles mit vielen kleineren Nebensträngen. Für sich genommen bilden all diese Ideen eine gute Basis, doch Moverman gelingt es nicht, sie zu einem großen Ganzen zu formen. Dadurch sind die Liebesgeschichte und einige Nebencharaktere, unter anderem besetzt mit Steve Buscemi (“Big Fisch“, “John Rabe“), noch sehr ausbaufähig und bereichern den Film leider nicht. Nichtsdestotrotz hebt “The Messenger“ den emotionalen Vorhang und lässt einen Blick auf die Kriegsopfer zu, die abseits aller Konflikte selten eine Bühne bekommen. Unterstützt von einem ausgewogenen Soundtrack, wird dabei eine Stimmung erzeugt, die dem Zuschauer die Bedrückung und Depression des Hauptcharakters näher bringen wird.
“The Messenger“ ist ein ambitionierter Film mit guten Darstellern. Im Zusammenspiel vieler kleinerer Stränge bleiben die Liebesgeschichte und die Beziehung der beiden Offiziere allerdings ohne bemerkenswerte Tiefe. Trotzdem wird es Regisseur Oren Moverman durch die Darstellung der vielen unterschiedlichen Reaktionen der Familien und mit Hilfe der guten Darsteller gelingen, manchen Zuschauer auf seine Seite zu ziehen.
“The Messenger“ von Oren Moverman mit Ben Foster, Woody Herrelson, Samantha Morton und Steve Buscemi startet am 3. Juni 2010 in den deutschen Kinos.

Michael Nitsche



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